Plenary Notes

Der Kongress Patient Education geht der Frage nach:

Wie können wir PatientInnen auf ihrem Weg zur Gesundheitskompetenz unterstützen und was gilt es dabei zu beachten?

Für die Erhaltung und Verbesserung von Lebensqualität und Gesundheit sind oft einschneidende Veränderungen der Lebensgewohnheiten notwendig.

Wie sind diese Lebensgewohnheiten entstanden? Wie kann es uns TherapeutInnen gelingen diese Verhaltensmuster in Richtung einer positiven Entwicklung zu lenken?

Einen wesentlichen Anteil an diesem Veränderungsprozess der Lebensgewohnheiten hat das Verständnis für Krankheit. Dieses Verständnis zu erlangen und die PatientInnen dahingehend zu schulen, spiegelt die therapeutische Kernkompetenz Patient Education wider.

Wir alle schulen unsere PatientInnen. Was aber bedeutet schulen? Wir wenden oft Muster und Erfahrungen aus unserer persönlichen Lerngeschichte an. Wir sagen, erklären und zeigen unseren PatientInnen etwas. Ändern wir unsere Lebensgewohnheiten weil uns jemand etwas sagt, erklärt oder zeigt?

Das Lernen, speziell bei Erwachsenen, ist sehr stark mit den eigenen Erfahrungen, mit der Eigenmotivation und den persönlichen Zielen verknüpft. Um an diesen drei Themen anzuknüpfen, braucht es ein spezielles Herangehen zudem sind andragogische Kompetenzen gefordert.

Wir können niemanden motivieren, der nicht selbstmotiviert ist.

Wie gelingt es Motivation zu finden, Motivation anzufachen? Wie können persönliche Ziele gefunden und zur Steigerung des eigenen Antriebs erarbeitet werden?

Hier sind unsere Kompetenzen im Bereich aktiver und patientInnenzentrierter Kommunikation unerlässlich.

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Freitag 17.04.2020

Am ersten Kongresstag setzen Sie sich in den Plenary Notes mit folgenden Themen auseinander:

09:00 – 09:15EröffnungMartin Metz, MA

Dr. Tasha Stanton

This talk will summarise recent evidence from pain science that supports the role of the brain in chronic pain. While in the past, pain was considered to be merely a read-out of the amount of tissue damage present, new knowledge supports that pain is complex. Indeed, pain is now understood to be an emergent phenomenon that occurs as a protective response when the available information supports the presence of (real or perceived) danger. Critically, such a definition highlights that there are many available inputs – beyond nociceptive input from peripheral sources – that can influence and even initiate pain. For example, by initiating changes in neural activity, emotions, thoughts and beliefs can profoundly influence the experience of pain. This talk will summarise the recent evidence of the neurobiology of pain as well as recent work has shown that changing thoughts and beliefs about pain can be an effective treatment, in and of itself.

09:15 – 10:20KEY NOTE: The brain can changeDr. Tasha Stanton

Mag. Gabriele Gundacker

Warum tun wir nicht das, von dem wir wüssten, dass es gut für uns ist? Warum bilden Umfragen kaum jemals die Realität ab, egal wie zeitnah sie stattfinden? Warum halten Silvestervorsätze oft nicht einmal eine Woche?

Was genau meinen wir, wenn wir von „Verhalten“ sprechen? Was gehört alles im Vorfeld dazu, damit ein Mensch ein bestimmtes Verhalten zeigt – was also sind die Grundlagen und Vorstufen? Wie rational entscheide ich mich für ein bestimmtes Verhalten? Warum ist es so schwierig Gewohnheiten zu ändern?

Viele Fragen, auf die es keine eindeutigen klaren Antworten gibt und dennoch liefert die Psychologie viele wertvolle Bausteine, um menschliches Verhalten besser verstehen zu können. Um zu verstehen, welche Motive Verhalten begünstigen und wie man Menschen helfen kann, alte Gewohnheiten zu überwinden und neue Verhaltensweisen zu zeigen.

Wie vorhersagbar ist unser Verhalten? Hängt es eher von der Persönlichkeit oder von der Situation ab? Welchen Einflüssen bin ich dabei ausgesetzt? Und was bedeuten diese Überlegungen und die entsprechenden psychologischen Theorien für meine praktische Arbeit mit Menschen?

Dieser Vortrag bietet Einblicke in die Verhaltens- und Motivationspsychologie und rundet diese mit Erfahrungen aus der psychologischen Praxis ab.

10:20 – 11:00Warum wir tun, was wir tunMag. Gabriele Gundacker

Mag. Dr. Anita Brünner

Im Vortrag werden Formen und Zugänge zum Lernen Erwachsener vorgestellt. Zuerst wird erörtert, was mit Erwachsenheit (Erwachsenen sein) gemeint ist und wie Lernen (Qualifikation – Kompetenz – Bildung) in diesem Zusammenhang zu verstehen ist. Denn Lernen, vor allem im Erwachsenenalter, umfasst einen Prozess der Veränderung, der sich beim jeweiligen lernenden Individuum unterschiedlich vollzieht. So geht es beim Lernen Erwachsener nicht ausschließlich um den Zuwachs von Wissen, sondern auch um den Erwerb von Einstellungen, Fähigkeiten und (Handlungs-)Kompetenzen. Konkret wird im Vortrag auf zentrale Aspekte des Lernens im Erwachsenenalter eingegangen, wobei hier die andragogische Theorie von Malcom S. Knowles besonders angesprochen wird. Knowles hat ein Modell ausgearbeitet, welches das facettenreiche Lerngeschehen Erwachsener darlegt und zentrale Prinzipien des Erwachsenenlernens zusammenfasst. Insgesamt soll im Vortrag sichtbar gemacht werden, was das Lernen im Erwachsenenalter ausmacht und welche Faktoren – auch mit Blick auf didaktisch-methodische Handlungsmöglichkeiten – zu einem gelingenden Lernen beitragen. Abschließend soll – auf Basis der theoretischen Erörterungen – ein kurzer Ausblick auf mögliche Wege zur Stärkung der Gesundheitskompetenz (lernender) Erwachsener gewagt werden.

11:30 – 12:00Lernen ErwachsenerMag. Dr. Anita Brünner

Dr. Thomas Wörz

Die Veränderung von Lebensgewohnheiten stellt uns immer wieder vor Herausforderungen. Der kompetente Umgang mit diesen sensiblen Lebensphasen erfordert viel Kraft und Konsequenz.

In diesem Vortrag erfahren Sie, wie Sie sich selbst und Ihre PatientInnen mit Motivations- und Selbstmanagementstrategien professionell unterstützen können. Die persönliche Tagesverfassung ist weder ein Zufallsprodukt noch ein vorgegebenes Schicksal. Einstellung, Gefühle und Handlungen sind durch Mentales Training aktiv beeinflussbar. Spezielle Verhaltensprogramme helfen den inneren Kritiker zu überlisten und aus negativen Grübelkreisläufen und eingefahrenen Denkgewohnheiten auszubrechen.

Mit bewährten Tools ermöglichen Sie sich selbst und Ihren PatientInnen einen spielerischen Umgang mit Störfaktoren und Ängsten.

Der Vortag gibt Einblick wie der Selbstwert gestärkt, Energie aufgebaut, Erwartungsdruck reduziert und Angst bewältigt wird.
Thematisch wird der Bogen über neue Ansätze und erprobte Konzepte der Psychotherapie (Verhaltens-, Hypno- und Körperpsychotherapie) sowie der Sport- und Bewegungswissenschaft gespannt.

12:00 – 12:30Motivations- und Selbstmanagement-ToolsDr. Thomas Wörz

Mag. Britta Blumencron

Kommunikation ist die Basis, auf der Gesundheitskompetenz überhaupt erst entwickelt werden kann. Es ist eine Tatsache, dass 56 Prozent der ÖsterreicherInnen eine problematische bis keine Gesundheitskompetenz haben. Das heißt konkret, dass diese Personen für sie relevante Gesundheitsinformationen schlecht beziehungsweise gar nicht finden, verstehen, bewerten und anwenden können, um Entscheidungen im Sinne ihrer Gesundheit zu treffen.

Für eine erfolgreiche Therapie, die die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers wiederherstellen, verbessern oder erhalten soll, ist die effektive Kommunikation somit ein zentraler Bestandteil.

In dem Impuls-Vortrag werden die vier Ebenen guter Gesprächsqualität vorgestellt. Zudem wird näher erläutert, warum es kein Kommunikations-Ergebnis ohne Vertrauen zwischen Gesundheitsfachkraft und PatientIn beziehungsweisen KundIn gibt. Vertrauen als nonverbaler Output guter Gesprächsqualität ist gleichzeitig die professionelle Visitenkarte jedes Physiotherapeuten / jeder Physiotherapeutin – sozusagen eines der Aushängeschilder für niedergelassene PhysiotherapeutInnen.

Für effektive Kommunikation im Gesundheitsbereich braucht es Fertigkeiten. Somit wird gute Gesprächsqualität künftig kein „nice to have“ sondern ein „need to have“ einer erfolgreichen Behandlung sein.

12:30 – 13:00Empathische KommunikationMag. Britta Blumencron

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Samstag 18.04.2020

Am zweiten Kongresstag setzen Sie sich in den Plenary Notes mit folgenden Themen auseinander:

09:00 – 09:15Begrüßung & ReviewMartin Metz, MA

Mag. Dr. Christina Dietscher

Nach Sorensen et al. (2012) bedeutet Gesundheitskompetenz „das Wissen, die Motivation und die Fähigkeiten, gesundheitsbezogene Informationen und Angebote zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden, um Einschätzungen vorzunehmen und alltägliche Entscheidungen […] zu treffen, die zum Erhalt oder zur Verbesserung der Lebensqualität im Lebensverlauf beitragen“.

Gesundheitskompetenz wirkt positiv auf Lebensstilentscheidungen, auf die adäquate Nutzung des Gesundheitssystems und die Fähigkeit zum Selbstmanagement bei bestehenden Erkrankungen.

In vielen Ländern sind große Gruppen der Bevölkerung von mangelnder Gesundheitskompetenz betroffen – in Österreich sind es 56%. Bei chronisch Kranken und bei älteren Menschen – also bei Bevölkerungsgruppen, die besonders viele Gesundheitsleistungen brauchen – liegt dieser Anteil noch höher. Dies vermindert Gesundheitschancen für die Betroffenen und verursacht Kosten im System: etwa 3-5% der Behandlungskosten sind auf mangelnde Gesundheitskompetenz zurückzuführen.

In Österreich gibt es seit 2012 ein Gesundheitsziel zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz.

Seit 2013 wird Gesundheitskompetenz im Rahmen des Gesundheitssystem-Reformprozesses „Zielsteuerung-Gesundheit“ von Bund, Ländern und Sozialversicherung gemeinsam bearbeitet.

Seit 2015 fungiert die Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK) mit Koordinationsstelle am Fonds Gesundes Österreich als Koordinations- und Kompetenzzentrum.

Gesundheitskompetenzförderung braucht mehr als Schulungen. Es ist entscheidend, Menschen dabei zu unterstützen, anlassbezogen passende Informationen und Angebote zu finden und diese in verständlicher, bewertbarer und handlungsorientierter Form bereitzustellen. Die ÖPGK arbeitet dazu an fünf Schwerpunktbereichen: Gesprächsqualität im Gesundheitssystem, Qualität von Gesundheits-Informationsmaterial, Organisationale Gesundheitskompetenz, Empowerment von BürgerInnen und PatientInnen und Messung von Gesundheitskompetenz.

09:15 – 09:50Was ist Gesundheitskompetenz und wozu brauchen wir sie?Mag. Dr. Christina Dietscher

Dr. Tasha Stanton

This lecture will discuss seven key principles that underlie our current understanding of pain and guide best practice care in Australia. It will discuss the need for a pain revolution – a general society re-think of how we understand and approach pain. It will discuss features of the Pain Revolution in Australia, specifically the creation of a rural/region education tour, the instigation of a Local Pain Educator Network to increase local capacity, and the use of the Brain Bus to provide interactive communication of pain science information to the public.

09:50 – 11:00Seven amazing pain facts that will change your lifeDr. Tasha Stanton

Nils Boettcher, BSc, MA

Ziele bestimmen den Weg in der Therapie. Sie sollten motivieren und gemeinsam mit den PatientInnen erarbeitet werden. Was aber motiviert Menschen wirklich eine Veränderung anzugehen und wie gestalten wir unsere begrenzte Behandlungszeit danach?

Professionelle Gesprächsführung ist wichtig, zugleich nehmen 70 % der Menschen Informationen über das Sehen besser auf als über das Hören. Nutzen wir diesen Zugang!? Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Die Arbeit mit Zielen, das Beschreiben eines Leidensdrucks, das Erkennen von Beweggründen für eine Veränderung, das Finden und Konkretisieren von aktiven Lösungswegen und das Bewusstmachen von Ressourcen dafür… all diese komplexen Komponenten für PatientInnen visuell darzustellen und damit sogar be-greif-bar zu machen, vereinfacht und verbessert die Kommunikation wesentlich.

Sie erhalten in der Plenary Note Einblicke wie man mit dem Motivational Interviewing und der Zielarbeit aus dem systemischen Coaching diesen Prozess professionell begleiten kann. Zusätzlich erfahren Sie, welche Einflüsse eine begleitende e-learning Edukation zum Thema Verhaltensänderung hat.

11:30 – 12:00Zielarbeit und Motivation – Winkelgrad oder Fixstern?Nils Boettcher, BSc, MA
12:00 – 12:30Edukative Aspekte in der GesprächsführungDr. Hans Peter Bilek
15:00 – 16:00Patient Education in vivo – interaktives SpecialMartin Metz, MA

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Weitere Informationen folgen…